Infos für neue Eltern

Eingewöhnungszeit und andere Übergänge

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Eingewöhnung eines Kindes in eine Gruppe zwei bis acht Wochen dauern kann. Die Länge dieser Periode hängt natürlich immer vom Kind, dessen Beziehung zu den Eltern und anderen Umständen (ob z. B. Geschwister oder Nachbarskinder in der Gruppe sind) ab. Wir empfinden diese Abnabelung als beidseitigen Prozess. Sich an eine neue Umgebung und Bezugspersonen zu gewöhnen, ist nicht nur für das Kind eine Herausforderung, sondern auch für die Eltern ist es schwer, insbesondere das erste Kind „abzugeben“. Um diesen Schritt etwas abzumildern, versuchen wir, frühzeitig Vertrauen aufzubauen. In den Schulferien im Sommer können die neuen Eltern und Kinder, nach Absprache mit uns, die Kindergruppe ab und zu besuchen. So lernen die neuen Kinder uns, die anderen Kinder, die Räumlichkeiten der Gruppe und den Tagesablauf ein bisschen kennen. Außerdem werden die neuen Familien auch zu unserem Sommer-Abschiedsfest für die Schulkinder eingeladen. Es hat sich gezeigt, dass sich aus diesen ersten Kontakten eine gewisse „Wärme“ entwickelt, die wiederum die ersten Wochen in der Gruppe erleichtert.

Normalerweise fangen alle neuen Kinder das Jahr gemeinsam an. Die Eltern können die ersten Tage mit dabei sein. Peu a peu sollen sie aber ihre Anwesenheit reduzieren. Wichtig wäre, ein bestimmtes „Abschiedsritual“ mit dem Kind zu entwickeln, z. B. eine kleine Geschichte lesen, ein Spiel spielen etc., bevor die Trennung stattfindet. Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass die kleinen Kinder früher abgeholt werden. Die familiäre Atmosphäre einer kleinen Einzelgruppe und die Tatsache, dass unsere beiden Fachkräfte über die gesamte Zeit anwesend sind, geben den Kindern Geborgenheit und Halt. So können sich die Kinder ihre Bezugserzieherin schließlich selbst aussuchen.

Die Eingewöhnungszeit ist eine wichtige Phase für die Kinder, deswegen sollte man sich die nötige Zeit dafür nehmen. Ein guter Einstieg ist die Basis für eine glückliche Zeit in der Kindergruppe.

Über Bedürfnisse, Wünsche und ggf. Ängste bezüglich des Übergangs zur Schule tauschen wir uns mit den Eltern frühzeitig aus. Traditionell entscheiden sich unsere Eltern ganz individuell für eine Grundschule, sodass sich die Schulen unserer Schulkinder oft auf das gesamte Stadtgebiet verteilen. Aus diesem Grund fördern wir die Vernetzung der Schulkinder auf Trägerebene, z. B. durch Schulkinder-Treffen während des Waldprojekts, wenn sich viele Gruppen zur gleichen Zeit im Stadtwald befinden, aber auch durch andere gruppenübergreifende Aktionen (z. B. beim Floßprojekt). So lernen die Kinder schon zukünftige Schulkameraden kennen. Schulvorbereitend sind Programme wie z. B. die Sprachförderung. Doch auch emotional möchten wir den Übergang bewusst gestalten. So basteln die Schulkinder mit unserer Unterstützung z. B. tagelang an ihrer ganz individuellen Schultüte. Auch unsere Übernachtung der Schulkinder in der Gruppe, meist mit „piekfeinem“ Restaurantbesuch, und das sommerliche Abschiedsfest dienen dem bewussten Abschiednehmen. Während der bei uns üblichen Besuche von Kindern, die schon eingeschult wurden, in den Schulferien können die Kinder nicht nur Kontakte zu ehemaligen Spielkameraden pflegen, sondern von ihnen auch Informationen aus erster Hand zum Thema „Schule“ erhalten.

 

Partizipation von Eltern – und Kindern

Das „Bettenhaus“ lebt davon, die Familien in viele Belange der Kindergruppe einzubeziehen. Den Eltern bieten sich vielfältige Mitgestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Neue Familien finden dank einer Reihe gemeinschaftlicher Aktivitäten (Begrüßungsabend, Elternabende, gemeinsame Feste und vieles mehr) und der familiären Atmosphäre einer kleinen Gruppe schnell Zugang zur Gruppe.

Die Wege bei uns sind kurz. Wir nutzen moderne Kommunikationswege, veranstalten regelmäßig und nach Bedarf Elternabende und Entwicklungsgespräche, doch freuen uns besonders darüber, dass die Eltern uns üblicherweise unmittelbar ansprechen, wenn sie Fragen haben, unsicher oder mit irgendetwas unzufrieden sind. Es entspricht unserem Anspruch und unserer Kultur, für zeitnahe Gespräche zwischen Tür und Angel gerne zur Verfügung zu stehen. Sollten sich Unsicherheiten einmal nicht klären oder Dinge sich nicht lösen lassen, besteht, wenn die Eltern dies wünschen, selbstverständlich auch die Möglichkeit, die Geschäftsstelle oder externe Beratungsstellen einzubeziehen oder das offizielle Beschwerdemanagementverfahren unseres Trägers zu nutzen.

Elterabende finden normalerweise alle zwei Monate statt. Dies ist der Ort, wo jede(r) ihre(seine) Wünsche einbringen kann, wo wir Termine gemeinsam festlegen, Aktionen planen, uns über bestehende Inhalte austauschen oder uns auf neue inhaltliche Schwerpunkte verständigen. Es gibt kein Quorum, und die dort getroffenen Beschlüsse sind in der Regel bindend und sofort wirksam. Wesentliche Änderungen der Rahmenbedingungen oder inhaltlicher Art bedürfen jedoch einer Zweidrittelmehrheit aller Stimmberechtigten. Zudem können sich Eltern in verschiedenen Gremien, z. B. bei der Aufnahme neuer Kinder bzw. Familien, und über diverse Funktionen wie z. B. der Vertretung der Kindergruppe „Bettenhaus“ in den Gremien des Eltern-Kind-Vereins einbringen.

Was für die Eltern gilt, gilt für die Kinder nicht minder. Immer schon war es uns wichtig, unsere Kinder an Entscheidungen über Inhalte und Abläufe zu beteiligen. Wir fordern sie auf, uns ihre bzw. die Meinung zu sagen. Der „institutionalisierte“ Ort dafür ist der „Morgenkreis“, dort besprechen wir anstehende Vorhaben und beendete Projekte, legen gemeinsam Regeln für den Alltag wie für besondere Aktionen fest oder suchen Lösungen für Konflikte. Doch auch sonst halten wir bei Bedarf einfach eine kleine „Versammlung“ ab, um in der Gruppe etwas zu diskutieren. Jede(r), die(der) einmal in einer Kindergruppe Dienst verrichtet, merkt sofort, wie wichtig den Kindern selbst Regeln sind. Sie zu beherrschen, gibt ihnen Halt und Selbstbewusstsein. Und je stärker sie an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden, desto größer ist die Identifikation mit ihnen. Und die im Morgenkreis eingeübten demokratischen Gepflogenheiten helfen ihnen auch, gewaltfreie Lösungen für Konflikte untereinander zu finden. Nicht zuletzt durch unser Beispiel, durch unseren Umgang mit den Kindern, aber z. B. auch mit Praktikant(inn)en, durch flache Hierarchien möchten wir zu einer Atmosphäre beitragen, in der fremden Meinungen mit Respekt begegnet wird und alle ihre Meinung angstfrei äußern können. Eine entscheidende Grundlage dafür ist das Vertrauen, das wir uns bei den Kindern erwerben und das auch aus der gelebten Erziehungspartnerschaft von Eltern und Team und der familiären Atmosphäre einer überschaubaren Gruppe und eines kleinen, die gesamte Öffnungszeit anwesenden (Kern-)Teams erwächst.

 

Sonstiges

Es gibt noch ein paar Charakteristika unserer Einrichtung:

  • Das Mittagessen für die Kinder wird von den Eltern zu Hause zubereitet. Dabei muss jede Familie viermal in drei Monaten kochen. Einerseits ist dies mit Arbeit verbunden, andererseits lässt es der Eltern den Freiraum, die Mahlzeiten gemäß ihren Vorstellungen zu gestalten – und für Kinder und Team bedeutet es manchmal auch wunderbare exotische Mahlzeiten, in deren Genuss sie wohl sonst nicht so leicht gekommen wären.
  • Ab und zu (meistens im Frühjahr und Herbst) treffen sich alle „Bettenhausfamilien“ zur Pflege unseres wunderschönen Gartens. Anschließendes Grillen lässt diesen Arbeitseinsatz gemütlich ausklingen. Auch das bereitet zuerst etwas Mühe, am Ende fördert es aber ungemein das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Elternschaft.
  • Die gesetzlichen Vorschriften schreiben vor, dass während der gesamten Öffnungszeit zwei Erwachsene die Kinder betreuen; hiervon muss mindestens eine Erzieherin (Fachkraft) sein. Um die Öffnung der Gruppe für den Notfall zu garantieren, dass nur ein(e) Erzieher(in) alleine in der Gruppe ist, existiert im „Bettenhaus“ eine Bereitschaftsliste, in die sich die Eltern innerhalb von drei Monaten dreimal eintragen müssen. Die überwältigende Mehrheit der Eltern verlässt jedoch die Kindergruppe, ohne jemals „Dienst“ geleistet zu haben.
  • Während des Waldprojekts werden die Kinder von einem Bus zum Stadtwaldgelände gebracht bzw. abgeholt.
  • Um die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren, kommt neben freien Formen auch das systematische Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren der sog. „Grenzsteine der Entwicklung“ zum Einsatz.

 

Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung

Als Träger unserer Kindergruppe Bettenhaus obliegt dem Marburger Eltern-Kind-Verein e. V. die Erfüllung des „Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung“ gemäß § 8a SGB VIII.

Um zu verhindern, dass rechtskräftig wegen bestimmter Straftaten (z. B. Verletzung der Fürsorgepflicht oder sexueller Missbrauch von Kindern) verurteilte Personen in der Einrichtung zum Einsatz kommen, verlangt der Marburger Eltern-Kind-Verein e. V. in regelmäßigen Abständen die Vorlage eines aktuellen erweiterten Führungszeugnisses. Im Falle eines Verdachts auf eine Gefährdung des Kindeswohls steht dem pädagogischen Personal ein von ihm entwickeltes festgelegtes Handlungsschema für die Dokumentation und die Einleitung der erforderlichen Hilfsmaßnahmen zur Verfügung, um verantwortliches Handeln zu gewährleisten. Es schließt Gespräche im Team und mit der pädagogischen Leitung, den betroffenen Eltern (sofern davon der Schutz des Kindes nicht unterminiert wird) sowie das Hinzuziehen einer speziellen erfahrenen Fachkraft wie bspw. Mitarbeiter(inne)n von Beratungsstellen und der zuständigen Behörde ein.

 

Zusammenarbeit mit anderen Personen und Institutionen

Einige der Personen und Institutionen, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten, wurden bereits genannt:

  • Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit, bsj Marburg e. V
  • Reitprojekt mit Bianca Schlote

Darüber hinaus gibt es:

  • Verkehrserziehung mit der Polizei
  • Gemeinsam mit den Bewohner(inne)n des studentischen Wohnprojekts Bettenhaus Pflege des Bettenhausgartens, der Blumen-, Kräuter und Gemüsebeete
  • Besuche einer Zahnärztin
  • früher regelmäßig, aktuell bei Bedarf Austausch mit zwei Logopädinnen
  • den Austausch mit Grundschulen und den Bildungseinrichtungen der Praktikant(inn)en.